Eine Hochzeit - zwei Perspektiven

Freitag

Es ist Freitag Abend, ich steige in mein Auto während die Sonne lange Schatten in die Landschaft zeichnet. Ich bin auf dem Weg nach München zu meiner Freundin und Kollegin Stefanie Funk. Mit ihr gemeinsam werde ich morgen eine Hochzeit in Würzburg fotografieren. Nach verregneten letzten Tagen ist heute der Frühling mit einer dem Hochsommer angemessenen Sonne zurück gekehrt. Das lässt nach dem vielen Grau der letzten Zeit auf ein Traumwetter für den morgigen Tag hoffen.

 

In München angekommen verstaue ich als erstes mein Kameraequipment (Kamera, Objektive, Stativ, Reflektoren, Wechsel Akkus, Speicherkarten, Grau- und Verlaufsfilter, Blitzequipment etc.) in Steffi´s Wohnung. Nachdem wir uns über die Ereignisse und Erlebnisse der letzten Wochen ausgetauscht haben, gehen wir um die Ecke was essen und stellen einen Plan für den nächsten Tag auf. Und wie immer wenn wir beide zusammen arbeiten, ist dies nach einem kurzen Gespräch über die Eckdaten (Fahrtdauer, wann aufstehen, wann los fahren, welche Location wird zu erst begutachtet, wer geht zur Braut und wer zum Bräutigam…) erledigt. Alles andere wird vor Ort der Situation entsprechend entschieden, denn für uns beide steht im Vordergrund, dass der kommende Tag der schönste Tag für das Brautpaar wird - nicht der perfekte Zeitplan für den Fotografen. 

Samstag - 5:30

Als der Wecker klingelt ist noch nichts von der Sonne und dem vermuteten schönen Tag zu sehen, denn sogar die Sonne ist noch nicht aus ihrem Versteck gekrochen. Während ich mir die Decke nochmals über den Kopf ziehe,  höre ich Steffi mit Ihrem Kater Buddy flüstern und dann das Rauschen der Dusche.  Noch weitere zehn Minuten schlummern, denke ich mir - kurz - denn dann treibt auch mich der Tatendrang und freudige Erwartung aus dem Bett. Bis ich mich für eines meiner Outfits entschieden habe, das sommerliche oder doch dass mit langer Hose, eilt Steff mit nassen Haaren und einem Föhn in der Hand aus dem Bad: "Na, gut geschlafen, das Bad ist frei!"

Als ich dann, mit trockenen Haaren und fertig gerichtet aus dem Bad komme, hat uns meine Kollegin bereits eine Box mit Wegproviant vorbereitet und wir verlassen mit unserem Equipment und jeder einem Kaffee in der Hand die Wohnung.

6:15

Mit meiner kleinen Kugel von Auto hüpfen wir über die Autobahn los Richtung Würzburg, es ist für beide der erste Besuch in dieser Stadt. Über unser Navi checken wir nochmal die Standpunkte der verschiedenen Locations: Vera, Christoph, die Kirche St. Laurentius in Würzburg und das Hotel Freihof in Prichsenstadt. Das ist bereits unsere dritte gemeinsame Hochzeit und in den vergangen beiden Jahren konnten wir auf den verschiedensten Hochzeiten Erfahrungen als Fotografinnen sammeln. Doch dieses mal haben wir weder das Brautpaar persönlich kennen gelernt, noch die Locations auf Grund der großen Entfernung vorher gesehen, was für uns beide neu ist und somit eine gewisse Aufregung mit sich bringt. 

Wir entscheiden uns als erstes nach Prichsenstadt zu fahren, was etwa eine halbe Stunde von Würzburg entfernt liegt, da sowohl Vera als auch Christoph Ihre letzte Nacht als Ledige in der Nähe der St. Laurentius Kirche verbracht haben. Die ganze Fahrt nach Würzburg ist schon besonders und wunderschön - die Sonne, die langsam aufgeht und den Himmel in dutzend verschiedene Farben taucht, der Nebel welcher von den Wiesen aufsteigt, wie die Sonne die Wolken am Himmel vertilgt und so ein strahlendes Blau zum Vorschein bringt, die Wiesen bunt mit allerlei Blumen gespickt, das Satte Grün der Bäume. Immer wieder fahren wir an Stellen vorbei an denen wir beide perfekte Kulissen für das Brautpaarshooting sehen.

8:15

Doch die Ankunft in Prichsenstadt stellt die ganze, achso schöne Fahrt in den Schatten. Denn wir finden uns im klein Rothenburg ob der Tauber wieder. Wir laufen einen Runde durch eine mittelalterliche Stadt, gefüllt mit Wein und Efeu bewachsenen Fachwerkhäusern zwischen denen bunte Wimpel gespannt sind, Tore, verwunschene Ecken, ein See, ein Bach... In der Location selbst herrscht reger Betrieb und wir verlassen sie nur mit einer Ahnung, wo sich das Fest später abhalten könnte. Wir einigen uns auf drei definitive Plätze an denen wir später fotografieren möchten und planen einen gemütlichen Spaziergang mit dem Brautpaar durch Prichsenstadt ein. 

9:15

Der Besuch in der Kirche ist nur ein kurzer da sie verschlossen ist. Dennoch können wir einen Blick durch das Gitter erhaschen, sie ist hell und Licht durchflutet, im hinteren Bereich gibt es eine Empore mit Blick in den Kirchensaal und auf den Altar. Auch die Blumengestecke sind schon an ihrem Platz.

Mit einem Blick auf die Uhr stellen wir fest, dass wir noch eine Stunde Zeit haben um uns nochmal zu stärken und uns von der langen Fahrt etwas zu erholen bevor Steff zu Vera und ich zu Christoph aufbreche. 

10:15

12:30

In einem Konvoi fahren wir zur Kirche, ich mit meinem kleine Peugeot den beiden Autos von Bräutigam und Tauzeuge hinterher. 

Die Kirche ist noch verschlossen als wir eintreffen während sich die ersten Gäste und auch die Sängerin einfinden.  

 

13:00

Die Kirche öffnet und die letzten Vorbereitungen werden getroffen. Die Gäste und auch der Bräutigam nehmen Ihre Plätze ein.

13.20

Als sich alle eingefunden haben, steigt die Spannung. Alle, besonders der Bräutigam halten nach der Braut Ausschau. 

15:00 - Hotel Freihof

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Irgendwann haben wir alle den Überblick über die Zeit verloren. Es ist, wie vermutet, ein sonniger Tag geworden. Was uns alle ganz schön ins schwitzen bringt. Noch dazu ist die große Anspannung, welche vor jeder Hochzeit herrscht von allen Beteiligten abgefallen. Der perfekte Zeitpunkt um unseren Rundgang durch Prichsenstadt zu starten.

Völlig erschöpft aber dabei sehr zufrieden mit dem Tag, kommen wir gegen  Mitternacht wieder in München an. Bei einem abschließenden Bier auf Steffi´s Balkon, lassen wir den Tag Revue passieren.

Was eine Hochzeit von einem Shooting unterscheidet, ist, abgesehen vom separaten Brautpaarshooting, dass jedes Bild sitzen muss. Man kann ja schlecht den Pfarrer bitten, nochmals von vorne zu beginnen oder die Hochzeit an einem sonnigeren Tag wiederholen. Während der Trauung ist das Arbeiten mit verschiedenen Brennweiten nötig. Mit einem Weitwinkelobjektiv kann man die Stimmung und die Größe der Kirche sehr gut festhalten, eine 50mm Brennweite mit einer hohen Lichtstärke ist gut für verspielte, verträumte Aufnahmen des Brautpaares. Fotografiere ich alleine eine Hochzeit, sehe ich mich immer wieder mit einem Objektivwechsel konfrontiert oder mit dem arbeiten mit zwei Kameras. Nachdem Steffi und ich uns schon vormittags aufgeteilt haben, eine ist bei der Vorbereitung der Braut, die andere bei der Vorbereitung des Bräutigams dabei, haben wir eine Aufgabenteilung beibehalten. Während ich in der Kirche mit einem sehr Lichtstarken 50mm Objektiv arbeite und mich zu Beginn auf das hintere Ende der Kirche konzentriere, arbeitet Steffi mit einem 25-70mm Zoomobjektiv und hält sich in der Nähe des Altars auf. So kann sich jeder komplett auf das Fotografieren konzentrieren und ist nicht auf einen Objektivwechsel angewiesen. Außerdem garantiert das arbeiten mit zwei Fotografen aus zwei verschiedenen Perspektiven, dass jeder wichtige Moment festgehalten wird. 

Bei Familienaufstellungen und Gruppenfotos hat es sich bewährt, dass einer von uns beiden fotografiert und der andere die Aufstellung der Personen anleitet, bzw. für eine lockere Stimmung sorgt und Kinder zum Lächeln bringt. 

Auch beim Brautpaarshooting ist man zu zweit gut aufgestellt, da hier die äußeren Umstände wie z.B. das Licht den Einsatz von Hilfsmitteln wie z.B. einen Reflektor nötig machen. 

Neben dem praktischen Nutzen an einem Tag hinter der Kamera sind natürlich auch die Gespräche nicht zu vergessen. Das Reflektieren und der Austausch. Was ist heute sehr gut gelaufen? Woran können wir noch arbeiten? Die Bildbesprechungen und der Austausch von konstruktiver Kritik, das gemeinsame entwickeln neuer Ideen. 

Für uns steht jedenfalls fest, das wir noch viele Hochzeiten gemeinsam fotografieren wollen. 

elsalina & stefanie funk

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© by Elsa-Lina Pillath